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Radio- und Pressestimmen zum Auftritt an den Solothurner Literaturtagen 2006, mit einer abschliessenden Bemerkung des Autors: 20.05.2006
SZ Ein
Flair für «Fiktionen Der
in Solothurn lebende Autor Felix Epper experimentiert in seiner Erzählung
«Zur letzten Latern» erneut mit einem stilistisch
weit gefächerten Spektrum und lässt sich dabei von Motiven
des Bielers Robert Walser leiten. Silvia
Ferrari Im jüngsten Prosatext des 1967 in St. Gallen geborenen und seit längerem schon in Solothurn ansässigen Autors Felix Epper lädt ein Gastwirt ausgerechnet «zu einer Lesung zweier höchst sonderbarer Debütanten» . Ihr durch einen «wahren Teufelskontrakt» besiegeltes Engagement verdanken die beiden freilich eher dem Zufall. Einer der alljährlichen literarischen Spaziergänge führt den Ich-Erzähler und seinen Freund Ernst, von Gossau her kommend, nämlich nach St.Gallen in die Wirtschaft Zur letzten Latern'. Ihr fiktiver Begleiter ist Robert Walser (1878-1956), und das Gespräch über «Das Mündel und sein Vormund» verwandelt sich unterwegs in szenisches Spiel. Walser und sein Vormund Carl Seelig erstehen in Gestalt der beiden Spaziergänger zu neuem Leben und beginnen, gleichsam als Chiffren und Spiegelfiguren, zunehmend deren Schritte zu lenken, bis hin zum «Showdown in der <Latern'>» ; ein Auftritt «höchst sonderbarer» Art: «Niemand hat mir zugehört, ganz wunderbar bin ich vergessen gegangen» , bekennt der Ich-Erzähler. Bei Epper ein Anklang an den Walserschen Topos des Verschwindens, den untergründigen Wunsch des Dichters, unerkannt zu bleiben. Anspielungen auf Walser-Motive finden sich auch in den schriftstellerischen Versuchen der beiden Protagonisten, versehen mit einem Titel wie «Verspäteter Schnee» und als Binnentexte gestaltet, welche die Erzählung vorwärts treiben. Besondere Kenntnisse über Walser sind indes nicht Voraussetzung für eine vergnügliche Lektüre von Eppers Prosawerk, geniesst der Bieler Autor doch letztlich eher «Gastrecht» im Text, wie andere als so Epper «Quelle der Inspiration» einbezogene Schriftsteller auch. Nicht umsonst auch lautet der Untertitel der Erzählung «Fiktionen in verschiedenen Tonarten» . Wie schon in früheren Prosaarbeiten experimentiert Epper auch hier mit verschiedenen Textsorten und Stillagen: «Er kombiniert in wechselnder Mischung realistischen Bericht mit surrealistischen Passagen und intimem Psychogramm, mit Satire, Zitat und Persiflage.» Treffend veranschaulicht dieser Auszug aus der Laudatio zur Verleihung des kantonalen Werkjahrbeitrags (2004) das stilistische Spektrum der Erzählung «Zur letzten Latern'» , deren Entstehung im Übrigen durch diesen Förderbeitrag erst ermöglicht wurde. «Zehn Jahre lang ein Gerücht» , hiess es jüngst sinngemäss über den neuen Aargauer Suhrkamp-Autor Michel Mettler («Die Spange» ). In etwa so umschreibt Epper ohne Larmoyanz auch seinen eigenen Status entdeckt werden und wieder verschwinden. Denn als Debütant, als «Frischling» , wurde auch er mehrfach schon angekündigt. Im Gegensatz zu seinen beiden Protagonisten mag er sich jedoch längst nicht mehr als solchen betrachten. Seit
15 Jahren schreibt Epper Kurzprosa und Texte auf Anfrage, und obwohl
er Veröffentlichungen erklärtermassen nicht unbedingt anstrebt,
erschienen seine Texte verschiedentlich in Zeitschriften («Entwürfe»
, «Drehpunkt» ) und Anthologien ("Schnell gehen auf
Schnee» , «Sprung auf die Plattform» ). Auf sich aufmerksam
machte Epper zuletzt auch mit Publikationen und Lesungen im Solothurner
Kontext, so mit einem Aufsatz zur Solothurner Literaturszene («Schreiben
am Jurasüdfuss» ) oder mit Anagrammen im «Solothurner
Märetbuch» . Felix
Epper Lesung (mit Karin Richner und Bettina Spoerri) am Samstag im Alten
Spital (grosser Saal), 9.15 Uhr.
Marco
Guetg ( ) Einen völlig anderen Ton schlug Felix Epper an. Der Ostschweizer und persönliche Mitarbeiter von Ständerat Ernst Leuenberger las aus einem längeren Text, der «zu kurz für einen Roman und zu lang für eine Erzählung ist» . Drei Dinge wurden dabei sofort klar: 1. Robert Walser ist Gast in diesem Text. 2. Epper hat ein Sensorium für das Erzähltempo. 3. Epper hat die Gabe zur ironischen Selbstreflexion. Besonders gelungen ist, wie er den Ich-Erzähler und seinen Freund auf einer Wanderung in der Nähe von Gossau beschreibt, wie er diese zwei pfeiferauchenden Jungintellektuellen mit kratzigem «Existenzialisten-Rollkragenpullover» beredt ins Schweigen stürzen lässt. Dass ein Autor mit solch einer Erzähllust auch Gefahr läuft, überoriginell zu sein, dürfte Epper bekannt sein. ( ) * * * Eine abschliessende Anmerkung, die sich der Autor nicht verkneifen kann: Dies Schlussurteil erinnert doch bedenklich ans Verdikt meines Deutschlehrers aus St. Gallen mit dem wahrhaft Jean Paulschen Namen Niess*: «Du solltest dein sprachliches Talent etwas zügeln » schrieb er unter meine Aufsätze (Note meist genügend).. Ach, Schwamm drüber! *
Dr. Katzenbergers Badereise. |
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Felix Eppers «Literatur im Netz»
Solothurner Zeitung, 29. Mai 2006 |
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