«Ein Meister der Buchstabenakrobatik»

Felix Epper, Träger des Solothurner Fachpreises für Literatur 2019, legt ein Bändchen mit Anagrammen vor.

Thomas Brunnschweiler / Solothurner Zeitung, 14.03.2020

 

Felix Epper erklärt: «Anagramme sind Buchstabenspiele, Versetzungsrätsel und Worterfindungsmaschinen 달작법 다운로드. Anagramme sind aber auch ein Zwangsmittel.» Nicht umsonst heisst das luftige, aber nicht leichtgewichtige Büchlein von Epper «Nachtwind, gezuernt – Dichten unter Zwang» 2018 멜론 top100 8월 다운로드. Anagrammisten tragen formale Daumenschrauben und haben in jeder Zeile stets nur dieselben Buchstaben wie im sogenannten Programma zur Verfügung. Aber dies ist die Herausforderung, die zu Höchstleistungen anspornt Download The Cruel Tyranny. Bei Epper tönt das dann so: «Es huera Chrut, e / u huerestarche / Raucherhueste!». Selbst das «gezuernt» im Buchtitel ist kein Zufall. Es ist eine Hommage an die Schriftstellerin Unica Zuern, die in der Zeit des Surrealismus mustergültige Anagramme schrieb zookeeper. Auch der Name von Oskar Pastior fällt mehrmals, der die Anagrammliteratur um viele Perlen bereichert hat.

Aufs Anagramm kam Epper 2005. In einem Wettbewerb des Festivals Science et cité waren die Wörter «Gewissen, Gehirn, Roesti» vorgegeben: 19 Buchstaben, die Felix Epper «zu einem Moment Stammtischprosa» formte Download cake monster game. Sein «Röst hin Gewissen, Gier!» war einer der fünf preisgekrönten Texte des Festivals. Von da an war die Lust am Anagrammieren geweckt. Epper verfasste zu Wettbewerben oder Anlässen Gelegenheitsanagramme Sugar mixtapesed. Was seine Besonderheit ausmacht, ist sein extrem freier Umgang mit Sprachmaterial. Man sollte seine Anagramme laut vorlesen. Da er Hochdeutsch, verschiedene Mundarten und Fremdsprachen mixt, bleibt die Sterilität jener Anagramme aus, die mitHilfe eines Anagrammgenerators im Internet verfasst wurden html csv. Damit erschliesst er sich einen sprachlichen Raum für konsistente und plausible Texte. In seinen Mundart-Anagrammen von 2007 wird dies deutlich, wo es heisst: «Wönigli // Woni geil / Wie n Goli / Wo gli nie / Oni Wegli / In Wile go / Gin, Wi, Öl / Ge wil oni / Wönigli.» Schnell zu lesen ist dieses charmante, geniale Sprachjuwel 우주를 건너 mp3 다운로드. Am Schluss des typografisch köstlich gestalteten Büchleins steht ein Palindrom, ein Gedicht, das von vorne wie hinten denselben Text ergibt. «Mondnah» ist gleichzeitig Formgedicht und verströmt einen Hauch Nietzsche’scher Ewigkeitssehnsucht fm radio.

Eine lange, spannende Geschichte

Obwohl man immer wieder lesen kann, Lykophron aus Chalkis (320–280 v.Chr.) sei der Vater des Anagramms, hat bereits Platon in seinem Dialog «Kratylos» das Anagramm (H)era – aér (Hera – Luft) als Beispiel seiner sprachphilosophischen Überlegungen benutzt 육룡이 나르샤 1회 다운로드. Der Barock war nicht nur ein emblematisches, sondern auch ein anagrammatisches Zeitalter. Auf Teufel komm raus wurden hier Fürstennamen und religiöse Texte auf anagrammatische Geheimkammern abgeklopft. Es ist die Welt hinter den Wörtern, welche die Menschen immer faszinierte. Enigmatisch, fast unheimlich erscheint uns das folgende lateinische Anagramm, das zugleich ein Palindrom ist: «In girum imus nocte / et consumimur igni» (Im Kreise geh’n wir nachts / und werden vom Feuer verzehrt).

Felix Epper «Nachtwind, ge­zuernt / Dichten unter Zwang» Edition la meuth, Bischofszell 2020 32. S. ISBN 978-3-033-07539-9 Fr. 19.– bei www.felu.ch . Max Christian Graeff (Hsgr.): Die Welt hinter den Wörtern, Verlag Martin Wallimann, Alpnach 2004, 240 S., Fr. 36.50.

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Felix Epper
Felix Epper, lebt und schreibt in Solothurn.